Von den Kellern Berlins bis in die internationalen Charts – die Band „Die Andern" war kurzzeitig ein Phänomen. Heute ist sie fast vergessen, doch ohne sie gäbe es die Legende Ted Pain nicht.
Die Geburt einer Band
Berlin, Ende der 1980er. In Kellern und Jugendzentren formiert sich eine Band, die sich schon durch ihren Namen absetzt: Die Andern – absichtlich falsch geschrieben, als ironisches Statement gegen Regeln und Konventionen.
Im Zentrum: Ted Pain, Pianist und Sänger mit einer Stimme voller Zorn und Melancholie. Um ihn herum: der japanische Drummer Topic Koshida, die französische Bassistin Pola Pen und der rumänische Percussionist Speck Bulett. Gemeinsam entwickelten sie einen chaotischen, aber elektrisierenden Sound, der zwischen Punk und Klavierballade oszillierte.
„Bierschiss" – der Kult beginnt
Der Durchbruch kam 1988 mit einer Single, die so vulgär wie authentisch war: „Bierschiss". Ein Song über Kater, Absturz und Befreiung – radikal ehrlich, roh und ohne Schnörkel.
„Es war wie ein Faustschlag – vulgär, direkt, aber voller Wahrheit", schrieb Plattenteller 1988. „Ted Pain packte das Lebensgefühl einer verkaterten Generation in drei Minuten Musik."
Das Debütalbum Graue Stunden, helle Nächte (1989) vereinte diesen rohen Realismus mit ersten melancholischen Klaviermomenten – ein Vorgeschmack auf die Zerrissenheit, die Ted Pain später prägte.
Chaos auf der Bühne
Die Andern waren unberechenbar. Konzerte endeten oft in abgebrochenen Sets, Auseinandersetzungen oder spontanen Eskapaden. In Hamburg verließ Ted die Bühne nach drei Songs, weil keine Kerze auf dem Klavier stand. In Kopenhagen flog der Bass ins Publikum. In Berlin beendete die Polizei die Aftershow-Party.
Doch genau das machte den Reiz aus. „Man wusste nie, ob es ein Konzert oder ein Zusammenbruch wird", so ein Zeitzeuge.
Balladen vs. Punk
Hinter den Kulissen eskalierte der Streit: Ted Pain schrieb melancholische Balladen wie Believe in Hope, während der Rest der Band lauter, politischer, punkiger werden wollte.
„Ted war zerrissen – zwischen Krawall und Klavier", erinnert sich Freund Karsten Maluschke. „Vielleicht hat ihn das besonders gemacht – und gleichzeitig zerstört."
Skandal, Sturz, Verschwinden
1990 erschien noch das Album Filmriß und andere Wahrheiten. Dann kam der Skandal: angebliche Drogengeschäfte auf einer Aftershow-Party in Berlin. Die Anschuldigungen erwiesen sich später als Intrige eines konkurrierenden Labels, doch der Schaden war angerichtet. Die Andern lösten sich 1991 auf, Ted Pain verschwand aus der Öffentlichkeit – und wurde zur Legende.
Das Vermächtnis
Heute erzielen Originalpressungen astronomische Preise. Bootlegs wie Live in Kopenhagen kursieren im Netz. Believe in Hope, ein nie vollendetes Klavierstück, gilt als heiliger Gral unter Fans.
Die Andern waren Chaos, Provokation und Sehnsucht – eine Band, die alles gab und daran zerbrach.
Diskografie
Studioalben
Graue Stunden, helle Nächte (1989)
Intro (Graue Stunden) · Bierschiss · Kalte Straßen · Keine Antworten · Alles raus · Helle Nächte · Fremd im Spiegel · Ohne Licht · Anderssein · Outro (Mattenbrand Memories)
Filmriß und andere Wahrheiten (1990)
Filmriß · Drei Uhr morgens · Herz aus Glasstaub · Schweigen im Neonlicht · Zu laut zum Schlafen · Andere Wahrheiten · Verlorene Sterne · Stiller Schrei · Feuer im Keller · Letzter Applaus
Livealben & Kompilationen
Lichterloh – Live in Berlin (1990)
Live in Kopenhagen (1990, Bootleg)
The Lost Tapes (1991, posthum)
Singles
Bierschiss (1988)
Alles raus (1989)
Advent (1990)
Filmriß (1990)
Anderssein (1990)
Kellerträume (1991, unveröffentlicht)
Sonstiges
Believe in Hope (unveröffentlicht, 1991)
Kellerproben 87–88 (inoffizielle Kassette)
Für Presseanfragen in Kurzform:
Die Andern war eine deutsch-internationale Rockband, die von 1987 bis 1991 bestand und maßgeblich von Sänger und Pianist Ted Pain geprägt wurde. Die Gruppe wurde durch den Song Bierschiss bekannt, der als Kultstück der späten 1980er gilt.
Geschichte
Die Andern gründeten sich 1987 in Berlin. Neben Ted Pain (Gesang, Klavier) gehörten Topic Koshida (Drums, Japan), Pola Pen (Bass, Frankreich) und Speck Bulett (Percussion, Rumänien) zur Band.
1988 erschien die Single Bierschiss, die kurzfristig in die deutschen Charts einstieg. Das 1989 veröffentlichte Album Graue Stunden, helle Nächte gilt als Mischung aus Punk und introspektivem Klavier.
1990 folgte das zweite Album Filmriß und andere Wahrheiten. Interne Spannungen über die musikalische Ausrichtung sowie ein Skandal führten 1991 zur Auflösung.
Nachwirkung
Trotz ihrer kurzen Existenz genießt die Band Kultstatus. Originalpressungen ihrer Alben erzielen hohe Sammlerpreise. Das unveröffentlichte Stück Believe in Hope wird oft als Schlüssel zum Verständnis der melancholischen Seite Ted Pains gesehen.